24.05.09

内蒙古 - Die Innere Mongolei

Es wurde ja auch mal wieder Zeit!

An einem vermeintlichen langen Wochenende war die Innere Mongolei unser Reiseziel, und zusammen mit der Österreicherin sowie vier Franzosen machte ich mich mittels des Nachtzuges von Beijing aus nach Hohhot, der Provinzhauptstadt. Als äußerst günstiges Fahrtmittel war der Komfort, nun ja, ganz okay. Die Fahrt ging wenn ich mich recht erinnere ca. 10 Stunden über Nacht und die offenen Abteils boten Platz für jeweils sechs Leute. Dass die Betten nicht einmal Platz für einen normalgewachsenen Europäer und dessen Statur hatten war wieder eine andere Geschichte. Fazit: Ich konnte die ganze Nacht kaum schlafen, auch wenn ich die schnarchenden Chinesen dank Ohropax sei Dank nicht hören konnte.

Am frühen Morgen angekommen brauchten wir erst einmal kurz um uns zu orientieren, wurden dann aber sogleich von einem freundlich dreinschauenden Mongolen begrüßt der sich uns auch als Reiseführer anbot. Dass wir sicher einen Reiseführer brauchen würden war uns klar, und nach einigem langem Hin und Her und Preisdrücken kamen wir darüber ein, mit ihm zusammen unser innermongolis
ches langes Wochenende zu starten und uns mit seinem Kleinbus auf den Weg in die Steppe zu machen. Alles in allem hatten wir ein sehr großes Glück mit unserem Reiseführer, für einen guten Preis waren wir an einen wirklich extrem freundlichen und aufmerksamen
Mann geraten der uns sogar am Schluss noch kleine Souvenirs geschenkt hat und stets um unser Wohlbefinden bemüht war. Absolut weiter zu empfehlen, seine Nummer kann ich auf Nachfrage weitergeben :-)
Gut, also eine drei- bis vierstündige Fahrt später kamen wir dann in der Steppe in unserem Jurtendorf an. Jurten, das sind diese kreisrunden Zelte in denen das mongolische Volk traditionell gelebt hat. Nachts ordentlich kalt und ohne großen Komfort war es aber genau das was wir gesucht haben, wir wollten es wenigstens halbwegs authentisch! Und da wir die einzigen und in diesem Jahr ersten Touristen waren (die Saison beginnt eigentlich etwas später, wenn das Gras höher steht) hatten wir in unserer Einsamkeit dort und mit der Aufmerksamkeit der Gastgeber wirklich Glück. Aber ich lasse jetzt einfach mal Bilder sprechen und kommentiere hier und da vielleicht noch ein wenig dazu:



Drei französische Geschwister! Die in der Mitte ist eine Kommilitonin von mir und heißt Marion. Aufgenommen wurde das nachdem wir mit Gesang, Gedudel und Hochprozentigem begrüßt worden waren.

Es war herrlich, wir waren mit unserem kleinen Jurtendorf wirklich sozusagen im Nichts. Es gab nichts außer Gras und Himmel, aber das sieht man später sicher noch besser...


Das sind die Pferde auf denen wir geritten sind! Das gemeine mongolische Pferd ist durchschnittlich eher von der Statur mir einem recht großen Pony zu vergleichen. Noch am ersten Tag, gleich Nachmittags, machten wir mit einigen der mongolischen Jungs dort einen ca. dreistündigen Ausritt zu verschiedenen tollen Flecken in der Nähe, und einfach auch um den so großartigen Wind und die tolle Landschaft zu genießen. Der Wind war irgendwie das tollste dort, wie er bei brennendem Sonnenschein über die gewellte Landschaft fegt und einfach so ganz anders ist, von der Kraft und vom Duft und vom Gefühl her.


Hier sieht man schon im Hintergrund einen so genannten Oboshan, eine heilige Stätte für die Mongolen, ein Fleck an dem sich Erde und Himmel berühren. Mehr dazu hier: Klick mich!



Mir persönlich gefiel dieser Fleck in der Steppe eigentlich am besten, wie da einfach mitten im Nichts so ein Steinhaufen steht, oben auf einer Erhebung, im weiten Grün und wie der Wind an den Stoffbahnen zerrt und alles so - so weltentrückt ist. Das war ein toller Moment!




Wie oben schon gesagt, wir waren nicht in der Hochsaison in der Inneren Mongolei, daher war das Gras gerade noch im Begriff, los zu spriessen. Ende Juli kann es einem bis über die Knie hoch stehen! Aber gerade zu dem Zeitpunkt, als wir da waren, zog sich dieses zarte, metallische Grün über die Landschaft, der Moment wo das alles wieder zum Leben erwächst, während es im bitterkalten Winter brach lag. Die Farbe erinnerte mich stark an Grünspan, wie man es bei Kupfer sieht wenn es oxidiert. So ein frisches, leicht gold/metallisch glänzendes Grün. Das kommt auf den Fotos natürlich leider nicht so rüber...






Hier verlief wohl auch einmal ein Teil der chinesischen Mauer, wie uns erzählt wurde.







Nächste Station auf dem Ausritt war das Zuhause einer Mongolin die hier mitten in der Einöde auf einer Art Hof lebte, mit Pferden, Hühnern und sogar einem Kamel. Dort wurden wir nett und freundlich empfangen und zu Tee und typisch mongolischen Käsesüßigkeiten eingeladen. Ja, Käsesüßigkeiten! Total abgefahren!









Als wir von unserem Reitausflug zurück waren wurde uns dann noch gezeigt, wie richtige Mongolen so reiten :-) Sie veranstalteten ein kleines Wettrennen für uns, und schon krass, wie der Boden bebt, wenn da so vier Pferde an einem vorbei preschen...







Ja, und dann wurde auch noch für uns "gerungen". Mongolen finden Ringen wohl total klasse, erst haben sie sich gegenseitig vor uns in den Boden gerungen, und dann wurden die Männer unserer Gruppe, ich und der Franzose Pierre, herausgefordert sich dem Sieger ihres eigenen kleinen Tourniers zu stellen. Nun, ich hielt mich ganz tapfer, hab recht lang durchgehalten, aber auch wenn die Mongolen kleiner sind: Verflucht geschickt sind sie, und der Fußfeger war hinterhältig, ha!





Waren die Damen denn mit ihrer Jurte unzufrieden?!


Fast so rot wie meine Sweatjacke... Ja, die Sonne hat gebrannt und ja, durch den irren Wind hat man das einfach nicht gemerkt, wie heißt das war. Wir waren ja auch langärmelig unterwegs, aber das hielt die Sonne nicht davon ab, meinem Gesicht und insbesondere meiner Stirn eine bösartige Rötung zu verpassen. So einen Sonnenbrand hatte ich noch nie, der tat noch ne gute Woche lang höllisch weh...


Der moderne Mongole wacht natürlich motorisiert über seine Herde!



Sonnenuntergang über unserem Lager.


Wir waren mit unseren Unterkünften soweit zufrieden :-)



Wie gesagt: Ich und nichts. Kein Auto, kein Lärm, das einzige Geräusch das Pfeifen des Windes. Absolute Einsamkeit, ein Traum. Man dreht sich einmal im Kreis und alles was man sieht ist grünes Flachland das sich sanft am Horizont entlang schlängelt. Wunderschön!


Hier sieht man ganz gut wie das Gras gerade erst anfing zu wachsen.




Genialer Gesichtsausdruck Resi! :-)


Äh ja, wir im Nichts!



Nach dem tollen Abendessen (im Übrigen habe ich dort das Erste und wohl auch letzte Mal in meinem Leben Ziegendarm gegessen...) haben wir uns den Abend noch zusammen mit der "Jugend" dort vertrieben, beim Musizieren, sei es mit der traditionellen mongolischen Pferdekopfgeige...


... oder dem weniger traditionellen Karaokegedudel :-) Alles in allem aber ein schöner Abend, wir wurden, als einzige Gäste, toll aufgenommen und jeder war ausgesprochen nett und freundlich.




Nächster Morgen, fünf Uhr früh, die Idee den Sonnenaufgang zu blicken! Und das nachdem wir die Nacht zuvor noch ewig lange draußen gewesen sind, in einer sonst lichtlosen Umgebung in der die Sterne am Himmel nur so funkelten! So viele Sterne habe ich in meinem Leben noch nie gesehen. Davon gibt es leider keine Bilder, dafür müsst Ihr selber in die Innere Mongolei fahren! Aber gut, jetzt der Sonnenaufgang mit einer Sonne, die sich ganz schön lange Zeit gelassen hat, aufzugehen...












Hab ich schon von nicht vorhandenem fließend Wasser und unserem tollen Plumpsklo geschrieben? Nein? Dann sei es hiermit nachgeholt... Aber Hygiene war an dem Wochenende eh egal, wir kamen nach Pferd und Kamel und sonstwas stinkend wieder in Peking an, das geht schon mal!





Nach unserer Katzenwäsche am Morgen des zweiten Tages gab es noch ein Frühstück und da wir mit unserem Reiseführer so zufrieden waren haben wir ihn noch gefragt, ob er nicht noch Zeit hat mit uns in die Wüste zu fahren. Die Wüste, als zweites Highlight neben der Steppenlandschaften der Inneren Mongolei, lag zwar ganz wo anders aber wenn man schon mal da ist musste man sie ja schon auch sehen! Und hier auf dem Bild erkennt man ein wenig, was uns erwartete, als wir nach ca. fünfstündiger Fahrt endlich ankamen: Ein krasser Wechsel zwischen normaler Landschaft und Sanddünen. Gerade waren wir noch durch einen Wald gefahren, sah man am Horizont sich in scharfer Linie abzeichnende Sandwälle. Irre!


In Jeeps die nur mittels Kurzschliessen zu starten waren und wohl aus der Zeit der ersten Jeeps stammten ging es dann auf einen wilden Ritt über die Dünen. Achterbahn war ein Dreck dagegen!



Und da war sie, die Wüste - und ich mitten drin. Ein Wochenende voller Abenteuer, noch nie in der Steppe, noch nie in der Wüste! Ich war baff, als ich dort stand und zu allen Seiten bis zum Horizont nur Sand Sand und nochmals Sand zu sehen war. Es war atemberaubend!




Wüsten-Lebewesen Nummer 1: Käfer!





Coole Schuhe, was? :-)



Wir und viel viel Sand!





Das war übrigens unser mongolischer Reiseführer - eine Schande, dass wir nur ein Bild von ihm haben...


Ich glaube das ist wohl so ziemlich das coolste Bild das ich von mir habe! :-) Ich bin ein Kamel geritten! Yaaay! *jubel*


Die Welt vom Rücken eines Kamels aus. Woah! Meins hab ich übrigens Otto getauft.





Spuren im Sand!




Wüsten-Lebewesen Nummer 2: Echsen! Und neben den Kamelen war es das auch schon. Sonst nix!






Müde Wüstenkrieger...


Und natürlich hatten wir auch noch einen Platten auf dem Rückweg nach Hohhot. Aber was wäre unser Mongole schon für ein Mongole wenn er damit ein Problem gehabt hätte!?



Noch etwas bemerkenswertes an unserem Wochenende: Das Essen war - einmal mehr - ausgezeichnet! Wir haben wirklich spitzenmäßig gut gegessen, egal wo wir untergekommen waren. Ein Fest!



Und das war wohl so ziemlich die leckerste Zubereitungsart für Jiaozi, die ich je erlebt habe. Ein Traum!




Den letzten Tag unseres Trips verbrachten wir dann in Hohhot, und da vornehmlich in einem Park der neben normalen Grünanlagen noch ein Art Vergnügungspark mit Fahrgeschäften hatte, und größere Plätze wo scheinbar halb Hohhot mit Inlineskates auf den Beinen war. Und die wohl niedlichsten Hohhotter Kinder auf ihren heißen Rollen gab es bei einer Inlineskate-Schule zu sehen, die dort ihren temporären Trainingsplatz aufgebaut hatten. Extrem niedlich wieder mal, die chinesischen Kinder. Egal wie oft sie hinfallen oder wie oft sie sich gegenseitig kichernd schubsen, da wurde nur gelacht und gekreischt und Spaß gehabt, toll!








Hands up!


Ein netter KFC-Fake.


Kinderleine! Sollte man sich patentieren lassen :-)


Mit einem Bild eines urplötzlich auftauchenden Sandsturms der uns in ein Taxi und zurück ins Hotel flüchten ließ endet die Fotoschau.

Den Abend verbrachten wir dann noch bei extremst gutem Essen, beim Kaufen von Pferdemilchschnaps (total abgefahren...) und dem Warten auf den Zug. Wohl durch die Erschöpfung und die Vorfreude, wieder in die "Heimat" Beijing fahren zu können gelang es uns sogar, dieses Mal Schlaf zu finden, und noch mit unseren Backpacks und dem Geruh der Inneren Mongolei behaftet machten wir uns sogar noch direkt nach unserer Ankunft am Morgen in den Unterricht.

Alles in allem ein faszinierender Einblick in eine wirklich tolle Gegend, fernab des Trubels der Hauptstadt und mit einer Landschaft die einmal mehr beweist, wie vielfältig die Auswahl in China ist. Es war klasse, und vielleicht, wenn die Zeit und das Geld reicht, fahren wir vor meinem Heimflug noch einmal hin!

So, und demnächst dann noch ein Eintrag zu meinem Urlaub in Malaysia! Doch für heute soll es das erst mal gewesen sein, hab ja noch ein wenig was zu tun ;-)

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