31.01.09

Neujahr und kein Ende in Sicht...

Wir haben nun schon einige Tage hier in Beijing das Frühlingsfest zelebriert, und es nimmt irgendwie kein Ende. Anfangs noch schwer begeistert vom täglichen Silvesterspaß, bekommt es für mich allmählich äußerst anstrengende Züge. Na ja, gestern war dazu noch irgendein besonderer Tag, denn im Gegensatz zu den Tagen zuvor ging es schon um sieben Uhr in der früh mit Böllern und Krachern los, und zwar quasi ausschließlich Kracher, im Minuten- bis später dann Sekundentakt, von früh bis abends. Dann setzten auch Raketenlichter wieder ein, aber wirklich, es ist nicht übertrieben: Gestern war hier in Beijing die akustische Hölle ausgebrochen! Spätestens zur Mittagszeit ging es mir unglaublich auf die Nerven... Um einen kleinen Eindruck von der Geräuschkulisse zu geben, die hier den ganzen Tag über geherrscht hat, drei kleine Videos. Das erste ist das uninteressanteste dabei... Und allgemein sollte man bedenken, dass das "statische Rauschen" im Hintergrund nicht irgendwie Wind, ein startender Düsenjet oder so etwas ist - nein, das sind ununterbrochen krachende Knallfrösche. Die Art von Knallfröschen, die in Ketten von Längen von bis zu fünf Metern auf dem Markt zu haben sind. Außerdem würde ich Euch, für das richtige Beijing-Gefühl raten, die Lautstärke auf maximal aufzudrehen. Denn auf den Videos kommt der Krach noch lange nicht laut genug rüber. Teilweise war es so laut, dass das Kameramikrofon damit gar nicht umgehen konnte. Nun ja, viel Spaß damit! Ich bin langsam echt froh, wenn es wieder ruhiger wird. Und falls jemand weiß, warum die gerade gestern hier so mit ihren Böllern aufgedreht haben, noch schlimmer als in der eigentlichen Neujahrsnacht, der schreibe es mir doch bitte in die Kommentare! Apropos Kommentare: Ich habe schon lange keine mehr bekommen! Los, schreibt mir! (Und man muss übrigens nicht angemeldet sein, als "Anonym" kann man einfach so schreiben, das nur zur Info, weil einige Mal gefragt hatten. Dann aber den Namen nicht vergessen!)






地坛 - Tempelmarkt beim Erdaltar

Wie angekündigt hier einige Bilder vom Tempelmarkt. Nun, wie soll ich es sagen - es war anders! Anders als erwartet, definitiv. Herausstechendes Merkmal war wohl die schier unglaublich hohe Anzahl an Menschen auf einem dafür nicht wirklich ausgelegtem Raum. Wir kamen am Südeingang des Parks an, und wurden schon gleich weiter verfrachtet, weil der Eingang überlaufen und verstopft sei. Das hätte uns schon ein Zeichen sein müssen, aber entgegen jeglicher Vernunft ging es zum uns gegenüber angepriesenen Osteingang. Hier erst einmal Bilder vom Südeingang und der verstopften Straße.




Am Osteingang war es zumindest vom Gefühl her auch nicht wirklich leerer. Aber roter:



Ziemlich irrwitzig war die Schlange in die wir uns für Eintrittskarten einreihten, aber es ging recht flott voran. Direkt vor dem Verkaufshäuschen dann durfte sich die Österreicherin tapfer gegen handgreifliche Frühlingsfestler erwehren und mit reicher Beute zurück kommen. Als wir dann aber den echten Eingang sahen, nun, seht selbst:


Es war einfach nur dermaßen voll! Nur einige wenige Fleckchen im Park waren etwas ruhiger angelegt, so ein merkwürdiger "Labyrinthgarten", durch den einige wenige Chinesen eher weniger motiviert durchstapften. Es bringt wohl Glück oder ist gesund oder dergleichen.





Und dann wurde es wirklich - merkwürdig. Anstatt von Drachentänzen und kulturellem Handwerksgut gab es hier eine komplett menschenverstopfte Straße an derer beiden Seiten sich Stände nebst Ständen reihten. Und die Waren waren wirklich wunderlich! Aber viel Spaß, seht selbst, es zeigt mehr über China als man vielleicht auf den ersten Blick denkt! (Und schaut die Bilder genau an, es gibt wirklich interessante Details zu erkennen...)









Irgendwann wurde es dann wieder etwas ruhiger, gerade abseits der Verkaufsgegend. Aber wirklich ruhig war das dennoch nicht, eher wie ein großes, riesiges Volksfest ohne Fahrgeschäfte mitten in einem Park. Prinzipiell war es daher schon doch sehr schön, aber eben auf Dauer zu überlaufen und zu laut und zu - einfach zu viel!








Für Kinder gab es natürlich auch gewisse Unterhaltung, zum Beispiel einen Kletterturm. Genauer hingeschaut versteht man dann auch den Eifer, mit dem sich die Kleinen an den Schlaufen nach oben gezogen haben. Aufwand und Entlohnung!



Man konnte sich natürlich auch mit einer roten Trage einmal im (äußerst kleinen) Kreis rumtragen lassen, zu wummernden Technoklängen. Schräg!







Das war dann übrigens schon wieder auf dem Weg nach draußen, auch da war man natürlich nicht allein. Schaut auch beim letzten Bild die Schlangen an, die sich in Richtung U-Bahn reihen... Nun, irgendwann konnten wir eben einfach nicht mehr, und gaben es auf, irgendwelche Drachentänze hier zu finden. Das war hoffnungslos! Aber gut, insgesamt war es schon spaßig, und man hatte wieder einen tollen Einblick in dieses so lebendige China.


Irgendwann müssen wir aber nochmals zum Erdtempel zurückkommen, um sich mal anzusehen, was es da eigentlich so gibt. Aber dann hoffentlich mit weniger Menschen im Sichtfeld!

26.01.09

牛年快乐!- Ein frohes Ochsenjahr allerseits!

In Beijing steppt der Ochs! Frohes Chinesisches Neujahr wünsche ich Euch allen! Die besten Grüße aus der Stadt, die sich momentan so anfühlt wie das Epizentrum einer Kriegsoffensive. Dermaßen laut habe ich noch nirgendwo Raketen und Böller explodieren hören. Es ist schon fast skurril, wie man hier alle paar Minuten zusammen zuckt, weil einen wieder ein regelrechter Granatenschlag aus den Gedanken reisst.
Die Chinesen wissen ihren Neujahrsbeginn, das Frühlingsfest, gebührend zu feiern. In der Nacht von Sonntag auf Montag fand der bisherige Höhepunkt statt, der Jahreswechsel. Ich selbst habe anfangs noch ein wenig im meinem Zimmer gesessen, so um 20 Uhr abends, und nebst dem Feuerwerk ausserhalb meines Fensters die offizielle Neujahrsgala des chinesischen Staatsfernsehen angeschaut. Schon seit Tagen vorher gingen dann und wann Böller und Raketen hoch, aber am Sonntag ging es dann von früh an schon richtig rund. Hier ein paar Bilder die ich von meinem Zimmer aus gemacht habe, wobei man auch eine Besonderheit erkennen kann: Chinesische Raketen fliegen vielleicht gerade einmal halb so hoch wie unsere in Europa! Sie explodieren viel früher, und so konnte ich von meinem vierzehnten Stock quasi auf das Feuerwerk "herabschauen". 









Um halbzehn ging es dann weiter zum Trommelturmplatz der Stadt, wurde dieser uns doch als Hotspot empfohlen. Anfangs enttäuscht, weil niemand wirklich da war, machten wir es uns erst einmal in einer Bar direkt neben dran bequem. Und dann, noch vor Mitternacht, ging es richtig rund. Der komplette Platz war außen herum mit Menschen gefüllt, die Kistenweise Raketen und Böller dabei hatten. Zurückhaltung kannte hier niemand, und ich war froh Ohropax dabei zu haben. Nur um es klar zu stellen: Die verwenden hier Kracher die selbst in Polen verboten wären... Eine besonders fiese Sorte ist sogar dazu geeignet, Bäume zu entwurzeln. Und das ist nicht übertrieben! Chinesisches Feuerwerk ist zwar auch bunt, aber vor allem eins: LAUT!  Irrwitzig laut! Schon die Tage vor Neujahr wurde man immer wieder hochgeschreckt und konnte seinen Ohren kaum trauen, wo dieser Mörserbeschuss wohl herkam. Sich damals vorzustellen, wie das an Neujahr wird, wenn wirklich jeder hier in Beijing diese Kracher loslässt war unmöglich. Stundenlang Bombeneinschläge...
Aber das ist auch das tolle am Neujahr hier gewesen: Noch heute, zwei Tage nach dem eigentlich Neujahrstag, knallt und kracht es rund um die Uhr. Es ist nicht wie in Deutschland wo alle auf 24 Uhr warten und dann für ne halbe Stunde ein wenig was an Raketen abfackeln. Hier ist absoluter Ausnahmezustand, der zwar in der Neujahrsnacht seinen Höhepunkt hat, aber danach noch durchaus kraftvoll weiter geht: Jeden Abend kann ich hier aus meinem Fenster schauen und Feuerwerk betrachten. Oder wenn man abends durch die Straßen geht, überall sieht man Sternspeier im XXL-Format, Raketenabschussrampen, bunte Lichter und irrwitzig laute Knallfrösche. Man sitzt im Restaurant im ersten Stock und direkt neben einem vor dem Fenster geht ne Rakete hoch. Das ist irre, und wird noch so fast 2 Wochen weiter gehen. Ich finds toll und extrem überraschend, wie sehr ich schon darauf konditioniert bin, bei dem Anblick von Feuerwerk das Gefühl zu haben, dass ich raus muss weil ja gleich Mitternacht und Neujahr ist. Und das hab ich hier jetzt jeden Tag. Chinesisches Neujahr, einfach toll!
Hier jetzt also einige Bilder vom Platz am Trommelturm, man beachte auch die am Boden liegenden Überreste der Knallerei. Noch in der Nacht waren wir nen langes Stück einige der Straßen entlang gelaufen, und sie waren komplett Rot vom Böllerpapier, man sah kein Stück Pflaster mehr:




















So sehen einige dieser Raketenabschussbatterien aus. Die sind ein gutes Stück größer als Bierkästen!





Und hier zum Schluss noch vier kurze Videos, die ein wenig den Eindruck vermitteln sollen, wie laut und wild es da zuging. Denn auf den Fotos hab ich ja immer nur kleine Ausschnitte des Himmels zeigen können, das kommt jetzt auf bewegten Bildern ein wenig besser rüber. Wobei es natürlich noch immer nicht an das Feeling in der Realität rankommt:








Hier ein paar kurze fröhlich euphorische Neujahrsgrüße von mir!




So, das war's! Wenn in den nächsten Tagen noch tolles Feuerwerk zu fotografieren ist, werde ich das natürlich festhalten und hier veröffentlichen. Jetzt werden wir wohl morgen auf einen der Neujahrsmärkte gehen, den so genannten Tempelmärkten, auf denen die Chinesen mit Familie und Freunden den Start ins neue Jahr begehen, mit Neujahrskitsch, Handwerkswaren, Futterspezialitäten, Musikgruppen und etwas auf das ich ganz besonders gespannt bin: Drachentänzen.