So, ich höre auf mich ständig zu entschuldigen, dass es so lang dauert, aber ich krieg es nicht öfters hin... Zuviel Arbeit ist das hier jedes Mal, das schmälert die Motivation schon ein wenig :-)
Aber gut, genug gejammert, hier das neueste Update: NAMOC, das National Art Museum of China hier in Beijing. Super! Zugegebenermaßen war es vorletzte Woche Freitag, dass ich dort, zusammen mit meiner amerikanischen Klassenkameradin aufgekreuzt war. Und ich muss sagen, es war es definitiv wert!
Anlass für unsere Idee dort hinzugehen war die Ausstellung 'Coats!', bei welcher die Geschichte des Mantels im Hause Max Mara genauer beleuchtet wird. Diese wirklich tolle Ausstellung war zuerst in Berlin, dann in Tokyo, und eben jetzt in Beijing zu sehen. Da es sich um eine Wanderausstellung handelt verwunderte es nicht, dass die Aufmachung wirklich ausgezeichnet war. In das eher schlichte bis nicht so schöne Gebäude des Museums hat man eine wirklich interessante Ausstellung eingebaut. Interessante Displays, Installationen, interaktive Möglichkeiten. Dabei leider alles recht dunkel gehalten, und mit Blitzverbot beim Fotografieren. Entsprechend sind die meisten Bilder dieser Ausstellung etwas verwackelt. Aber für einen Eindruck sollte es allemal reichen! Viel Spaß erstmal dabei, danach dann ab der Hälfte des Eintrags noch mehr Infos zu anderen Ausstellungen dort.
Natürlich durfte auch, typisch chinesisch, die Erwähnung der uralten über Jahrtausende hinweg gehenden Kultur nicht fehlen, mit dem dezenten Hinweis darauf, dass man ja anscheinend selbst als allererstes prächtige Mäntel erfunden hatte... :-)
Jetzt aber weiter, zu einer Ausstellung des Museums, die mich enorm beeindruckt hat. "I'm stunned!" musste ich dann und wann immer wieder zu meiner Begleitung sagen. Es war sagenhaft, was die Gruppe der Ölmaler hier in Beijing in der Ausstellung nebeneinander gehängt hatte. Die Ausstellung zeigte unterschiedlichste Werke von verschiedenen Künstlern einer Ölmalereigruppe (wenn ich das alles richtig übersetzt habe...), die mit unterschiedlichsten Stilen und Motiven ein breites Portfolio hier zeigten.
Ich habe lange keine Ausstellung mehr gesehen, die handwerklich dermaßen versiert, aber zugleich derartig frisch und innovativ anders rübergekommen ist wie diese. Ich bedauere es zutiefst, dass die Ausstellung einen Tag später ihre Pforten schloss, und ich nicht dazu kam, mir die ganzen Namen der Künstler abzuschreiben um weiter recherchieren zu können. Ich war unglaublich angetan von der Art, wie der Kurator die Ausstellung gehängt hat: Anscheinend ohne ein wirkliches Muster fanden sich vor allem nach Farbeindrücken sortierte Gruppen unkommentiert nebeneinander. Dann und wann war auch inhaltlich eine Brücke zu finden, aber hauptsächlich farblich. Und das sorgte für irrwitzige Kombinationen! Leider kommt das auf Fotos nicht so gut rüber, da ich nicht alles nebeneinander einfangen konnte, aber ich hoffe die Übersichtsbilder geben einen gewissen Einblick in das, was mich da so angesprochen hat. Lange Rede kurzer Sinn: Ich habe so eine tolle Ausstellung von chinesischer Kunst, die fernab des momentan im Westen so beliebten poppig wilden China-Punks ist, nicht erwartet. Die meisten kennen nur die momentan so im Rest der Welt gehypten Künstlergrößen Chinas und ihre bald schon für die chinesische moderne Kunst plakative Wirkung (das erste Bild das gleich kommt ist ein gutes Beispiel für diese momentan im Westen eher bekannte Kunst). Aber das hier, das war in meinen Augen noch viel mehr. In Gedanken an letzte Woche bin ich immer noch recht sprachlos, und bevor ich noch weiter um den heißen Brei herum schreibe, hier einige Bilder:
Perfekt umgesetzter Naturalismus, aber besonders machte das Bild vor allem der unglaubliche Gesichtsausdruck. Auch mag man sich fragen, was im Korb wohl ist. Aber nicht nur naturalistische Werke in Öl fanden sich, sondern auch abstrakte, expressionistische, usw.
Zensur in der Volksrepublik ist sicher ein Thema, doch wenig ist hier so frei wie die Kunst. Ein interessantes Bild, frei in der Deutung, ebenso wie folgendes.
Hier sieht man finde ich sehr gut, die interessante Hängung. Inhaltlich und vom Stil her durchaus komplett unterschiedlich, entstanden wirklich interessante Spannungen zwischen den Bildern. Ich frage mich wirklich, ob das nur Zufall war und sich der vermeintliche Laienkurator keine Gedanken machte, oder das alles so beabsichtigt ist. Beides führte aber zu überzeugendem Ergebnis!
Und einmal mehr "China-Rot"... Betörende Haltung, fesselnder Blick, tolles Licht. Und was der Vogel im Käfig wohl aussagt?
Hier der Versuch einen Überblick zu geben. Ich hätte noch viel mehr Bilder fotografieren können, es ging noch einige Räume so weiter, Bild an Bild, scheinbar wüst durcheinander. Aber meine Kamera hat nicht für alles Platz gehabt.
Großartig an diesem Bild: Der enorm pastose Farbauftrag im Gesicht des alten Mannes, um ihn noch verwitterter und faltiger darzustellen. Genial, hab ich so noch nicht gesehen in einem Gemälde, das sonst soweit einen Naturalismus als Technik benutzt. Genauer sieht man die Stirn und Hals auf folgendem Bild:
Und dann wieder mittendrin kommunistische Romantik, die irgendwie deplatziert wirkte, dadurch aber nur umso spannender anzusehen war.
Ein starkes Bild, was die Farbe anging, aber auch den irgendwie surrealistischen Inhalt. Hat was von Kühen auf dem Mars irgendwie.
Hier abermals ein Überblick, von rechts nach links Surrealismus (naja, halbwegs, nicht so recht, Impressionismus ist auch mit drin, erinnert mich an ein Gemälde Caspar David Friedrichs... Aber eben auch wieder nicht, naja!), Naturalismus, Impressionismus, Expressionismus und Symbolismus. Woah!
Äußert interessantes Bild, interessante Seiten und Farbgebung, sehr chinesisch von der Wirkung her. Und dann fast direkt neben dem folgenden Bild hängend:
Über das Bild hatte ich eine kleinere Diskussion mit meiner Begleitung. Ich fand es gut, sie schrecklich. Nach hin und her konnte ich sie überzeugen, dass sie es interessant findet :-) Wenn auch immer noch hässlich.
Das für mich mit schönste Bild der Ausstellung. Leider auf dem Foto nicht so stark in der Wirkung wie in echt. Der Hintergrund erinnert mich an Rothko. Als hätte jemand ein Bild von ihm genommen und eine Szenerie drüber gemalt.
Wir hatten schon eine Nackte, hier noch eine, deutlich düsterer. Besonderes Augenmerk auf der Gesichtspartie, die verschwommen und undeutlich ist. Anonymisiert, als stünde diese Frau für viele? Ein wenig gruselig das Bild, obwohl die Farben recht warm gewählt waren. Definitiv kein Bild fürs Esszimmer.
Dieses aber auch nicht. Also fürs Esszimmer. Und es hing direkt neben der unbekleideten Dame von zuvor. Wenn das nicht mal gewagt ist? Übrigens ist das hier eines meiner Lieblingsbilder aus der Ausstellung. Ich finde die technische Umsetzung wunderbar. Das Fleisch allerdings sah ungesund aus, die Schatten stark mit Blau und Violett umgesetzt, insgesamt sehr "fleischig". Erinnerte mich irgendwie an Francis Bacon, nur dass dessen Bilder weit ekliger sind.
Weiß auch nicht, ich mag das Bild hier sehr. Zudem war es überlebensgroß, und auch hier war der Blick der beiden Menschen äußerst intensiv umgesetzt. Fast schon resignierend, aber gerade noch klagend.
Und inhaltliche Zusammenstellungen auch. Interessant wie sich hier der Mann im Glas des Frauenbildes spiegelt, so dass es aussieht, als würde er hinter ihr stehen. Aber sie war eigentlich allein, und ohne Bild an der Wand hinter ihr.
Hier nun eine weitere Ausstellung die wir uns noch ansahen. Übrigens waren das alles Ausstellungen des Erdgeschosses. Es gab noch einige andere Stockwerke, und selbst auf dem Erdgeschoss waren noch zwei Ausstellungsräume die gerade neu 'bespielt' wurden.
Dieser Ausstellung lagen Werke des spanischen Künstlers Manolo Vandés. Sehr expressionistisch, teils destruktiv, die Leinwand zerschlitzt, die Farbe nur so dahin geschmiert, viel Arbeit in Serien, starke Farben im grau-schwarzen Brei. Insgesamt sehr ansehnlich, aber auch schwere Kost. Aber seht selbst:
Ein Vorteil von chinesischen Museum: Sie sind nicht überlaufen! :-) Man hatte wirklich seine Ruhe, aber zugegebenermaßen, das war kurz vor Feierabend, entsprechend hatte man ordentlich Platz für Fotos.
Ich hoffe ich konnte einen guten Eindruck vermitteln. Wen es interessiert: www.namoc.org ist die Website des Museums, mit einem Einblick auf kommende und derzeitige und vergangene Ausstellungen. Das tolle an dem Museum scheint zu sein: Es gibt ständig wechselnde Ausstellungen, parallel zueinander, in schnellem Wechsel. Einmal im Monat hingehen ist also locker drin, inhaltlich gesehen, wird also für mich nicht das letzte Mal gewesen sein.

2 Kommentare:
Irgendwie schrie jeder fotografierte Mantel in der Ausstellung "Ich bin aus den Siebzigern"! Präferenz des Fotographen? ;-)
- Verena
Ne, eher die von Max Mara. Aber naja, die Ausstellung ging über die Geschichte des Mantels im Hause Max Mara. Und die hatte ihre Blütezeit nun damals... :-) Aber stimmt schon, was aktuelles sah man da weniger ausgestellt, höchstens in neueren Werbeanzeigen die man da sehen konnte.
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