Willkommen zu Ausgabe 2 der Reihe: "Wir-müssen-mehr-unternehmen!"
Diese Woche ging es bei herrlichstem Wetter zum Sommerpalast in Beijing. Infos dazu gibt es hier: Klick mich!
Direkt von unserer Uni fahren einige Busse zum Gelände des Sommerpalastes, bzw. zum Areal. Denn es handelt sich um eine riesige Gartenanlage, und wenn ich meine riesig, dann unglaublich riesig! Eigentlich hatte ich mit der Österreicherin geplant, hinzufahren, ein wenig sich umzuschauen und dann dort mit einem guten Buch in der Sonne zu sitzen. Weit gefehlt! 5 Stunden Besichtigungsmarathon standen uns bevor, und dabei haben wir nicht mal alles gesehen. Wobei wir stolz sein können, denn alle Gebäude für die wir mit der Karte extra Eintritt bezahlt hatten haben wir auch besichtigt! Und es hat sich gelohnt, denn die Gebäude hatten nicht nur interessante Namen, sondern ein genauso interessantes Innenleben: Die Halle der Jadewellen, die Halle der Freude und Langlebigkeit, der Pavillon der kostbaren Wolken und der Pavillon des buddhistischen Wohlgeruchs um nur einige zu nennen... Phiu!
Das traumhafte Wetter und die tolle Anlage luden wirklich zum Spazieren und verweilen ein. Ja, dort gab es Plätze, die waren absolut ruhig, und welche die absolut überlaufen waren. Aber es ist so riesig dort, man findet immer einen idyllischen Flecken! Es hat sich mehr als gelohnt, wie die nachfolgenden Bilder sicher vermitteln können:
Erster wirklicher Halt: Die 17-Bogen-Brücke, die zu einer kleinen Insel inmitten des Sees führt.
Gleich beim Eingang den wir genommen hatten fanden wir eine Gruppe älterer Damen, die sich nicht scheuten, in aller Öffentlichkeit ihre Tanzkünste darzubieten. Meist synchron, zu klassischer Musik, aber eben auch zu, man höre und staune: Hip-Hop. Die kennen da nix, die Damen! Typisch China, irgendwie!
Alles, aber alles in China ist verziert, bis es kein Entkommen mehr gibt. Geschnitzt, geritzt, bemalt, getöpfert, gezeichnet, geätzt, geschnitten.
Das Foto als Beweis, wie sehr die Sonne geschienen hat. Es war traumhaft, man fühlte sich in eine komplett andere Welt versetzt. Beijing? Noch nie gehört! Wie an einem Urlaubssee, am Mittelmeer, irgendwie so. Aber sicher nicht in einem Moloch mit Beijings Ausmaßen fühlte man sich zu sein.
Auf der Insel war es recht windig, aber ich fand das Bild enorm gut gelungen, gerade dadurch wie sich die Weide mit dem Wind wiegt.
Teils erinnerte es mich auch einfach an den Gardasee, so komisch das klingen mag! Auch auf dem Trip damals nach Chengde hatte ich das Gefühl, in mediterrane Gefilde einzudringen.
Eine sehr erstaunlich konstruierte und groß gebaute Theaterbühne war ein weiterer Anlaufpunkt. Hier fanden auch halbstündlich Musikvorstellungen statt, aber wir kamen leider nicht rechtzeitig. Dennoch war das Gebäude beeindruckend, nicht nur groß, sondern auch trickreich. Ein wenig wie eine Shakespeare-Bühne, meinte die hochverehrte theaterwissenschaftlerische österreichische Begleitung. Von oben ließen sich auch Dinge durchs Dach abseilen, mit Wasserdruck Regen und dergleichen erzeugen oder vom Boden her Tribünen hoch fahren.
Ein wenig merkwürdig anmutende Telefone - eins für Chinesen, eins für Ausländer. Und jetzt rate man welches für welchen ist!?
Wagemutig wie wir waren, kletterten wir ein wenig den Bergpfad entlang. Ein wenig ist untertrieben, es ging enorm weit, enorm verwinkelt, und enorm hoch. Wir mussten sogar tatsächlich eine Pause einlegen, weil wir nicht mehr konnten. Aber dort oben, fernab der Touristen war es so ruhig und angenehm. Viele Meter über dem Erdboden drang auch kein Verkehrslärm zu uns, und das Grün des Waldes um uns herum verschlang jegliche störenden Geräusche.
Hier der Pavillon des buddhistischen Wohlgeruchs oder wie man das auch immer übersetzen mag! Hoch über dem Erdboden gelegen, nach beschwerlichem Aufstieg endlich angekommen. Die Aussicht war traumhaft, das Gebäude schön, und der Abstieg erstaunlich entspannend.
Das kleine Ding da unten war übrigens die Insel auf der wir zuvor waren. Ja, die Anlage war riesig. Wenn man sich jetzt noch vorstellt, dass bis vor wenigen Jahrzehnten das gemeine Volk keinen Zutritt dazu hatte, und das alles praktisch für nur eine Familie - nämlich die kaiserliche - geschaffen wurde, dann kann man denke ich nachvollziehen, welche irrwitzigen Ausmaße das Leben eines Kaisers früher eingenommen hatte. Dieser Überfluss, es raubte einem kurz den Atem wenn man sich dem gegenüber wieder einmal bewusst wurde. All diese Gebäude, all die Verzierungen, all diese riesige Fläche, man kann sich das kaum vorstellen...
Mit Blick über das Wasser, nahm die Göttin die Opfergaben der Kaiserinwitwe Cixi entgegen. Allein sich vorzustellen, dass so bedeutende Persönlichkeiten hier einmal gewesen waren - das erstaunt einen in Chinas Sehenswürdigkeiten immer wieder.
Das große Gebäude am Horizont in der Mitte ist übrigens der CCTV-Tower, der noch nicht ganz fertig gestellt ist. Das Ding ist riesig, wir waren ja erst unlängst mal mit dem Bus daran vorbei gefahren. Auch ein wenig Smog ist glaube ich zu sehen, wobei sich der in den letzten Wochen wirklich extremst zurückgehalten hat. Ich denke mal, im Sommer, bei den heißen Temperaturen, ist es viel einfacher, dass sich eine düstere Dunstglocke über die Stadt stülpt.
Wo es rauf geht muss es auch runter gehen. Zum Glück hatten wir den im Gegensatz zu diesen teils unendlich langen Treppen den im Nachhinein vergleichsweise total harmlosen Waldweg gewählt um hinauf zu gelangen. Jetzt hinunterwärts war das in Ordnung, und man konnte schön die Symmetrie der Anlage erkennen in der wir uns gerade befanden. Hier lief die Kaiserinenwitwe im Übrigen immer mit ihrem Gefolge hoch, bzw. wurde wohl getragen, nachdem sie sich unten in einem der kleineren Gebäude umgezogen, Geburtstag gefeiert oder einfach verlustiert hatte, um zum guten Ende oben im Pavillon religiös tätig zu werden.
Dieses Gebäude hier war im unteren Bereich errichtet worden und eindeutig ein zentraler Punkt des Anlagenteils: Hier feierte die Kaiserinnenwitwe dann und wann ihren Geburtstag, was die enorm vergoldete Fassade erklärt, die hier im Licht strahlt. Prunk, prunkvoller, Chinas Herrscherschaft.
Das Marmorschiff, von dem ich ehrlich gesagt recht enttäuscht war... Warum sieht man sicher am Foto selbst.
Wenn das nicht mal satte Farben sind? Und ja, es ist ein Gingko! Oder irre ich mich?
Noch ein toller Baum! Im Übrigen hier einmal mehr ein Dank an die Österreicherin: Auch hier finden sich wieder Bilder aus ihrer reichlich gefüllten Schatzkammer...
Der so genannte Wandelgang, der sich am idyllischen Seeufer entlang schmiegte und wohl dafür zuständig war, selbst bei schlechtestem Wetter die aufwendige Haarpracht des Hofstaates vor dem Regen zu schützen - und das auf mehr als 700 Metern Länge!
Nur um mal falsche Eindrücke von den Fotos zu widerlegen: Ja, hier gab es auch Touristen. Ich bin nur, wie schon zuvor einmal erwähnt, ein Meister der aktiven Fotomanipulation, noch während des Fotografierens sozusagen. Aber hier ein Foto, welches die typische Population einer chinesischen Sehenswürdigkeit abbildet: homo touristis, deutlich durch seine Kopftracht zu identifizieren!
Ein äußerst ereignisreicher Ausflug ging aber auch hier wieder zu Ende. Teils zum Glück, denn viel hat mich nicht mehr auf meinen Füßen gehalten. Die Busfahrt nach Hause zu großen Teilen verschlafen, war ich froh, wenig später in meinem Bett zu landen und den Tag zu einem ruhigen Ausklang zu bringen. Stand doch schon am nächsten Tag die nächste Abenteuertour auf dem Plan, doch dazu mehr im nächsten Eintrag, ich bin zu erschöpft für heute. Hoffentlich wird die Geburtstagsfeier die sich langsam lärmtechnisch auf meinem Stockwerk ankündigt nicht allzu ausufernd...

1 Kommentar:
Hey Flo,
was macht China?
Ich sitz hier grad mit meinem Nutella-Brot und hab an dich gedacht. Soll ich dir mal ein Glas schicken? Der Christian und ich wollen zum F&F Sale Anfang Dezember. Da lässt sich doch sicher was drehen, oder?
Übrigens, es hat mich circa 30 Minuten gekostest durch deine Bilder zu scrollen um den Kommentar-Button zu finden. Weniger ist mehr! ;-P
LG,
Rico (und Christian)
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