Es war einer jener Sonntage, da draußen die Sonne scheint, die Vöglein zwitschern (die Autos hupen) und man in seinem Zimmer hockt und sich fragt: "Warum?" Also warum man da hockt... Dann vergeht noch die eine oder andere Stunde, da man sich wundert, ob die Putzfrau (nachdem sie das erste mal zur unchristlichen Zeit von 8:01 Uhr an Türen klopfte) nochmals kommt. Derlei Sorgen über Bord geworfen versuchte man sich dann, die Gruppendynamik in eine Richtung zu bewegen, die Freizeitaktivitäten und dergleichen als Fokus hat. Nach einem fatalen Rückschlag blieb es dann also bei der freundlichen Österreicherin und mir. Der Plan war festgesteckt: Auf in Richtung des Lamatempels und dann mal sehen! Naja, ein wenig mehr war es schon, denn eigentlich befürchteten wir auf Unmengen an Touristen zu stossen, und wollten dort nur mal schauen, wie schlimm es wäre. Außerdem war an unsere Ohren gekommen, dass sich ein wirklich tolles Teehaus gegenüber des Konfuzius-Tempels befinden würde, und darauf hatten wir eh schon immer mal Lust.
Also gesagt und getan, die Odyssee begann: Mit der wagemutigen Entscheidung, den Bus zur U-Bahn-Haltestelle Suzhou-Straße (苏州街) zu nehmen fing alles an... Schnell reingesprungen, vermuteter Weise der Falsche Bus, zwei Haltestellen später ausgestiegen, eine mit einem anderen Bus zurück, weil man glaubte, da sei man richtig. Aber dass man in der Eile nicht schaut, ob das Schriftzeichen für Brücke (桥) oder eben Straße (街) geschrieben steht zeigte sich als nächstes Problem. Einmal mit dem Bus im Kreis gefahren waren wir der U-Bahn-Station immer noch nicht näher gekommen. Also ab ins Taxi, wozu sonst ist das so billig hier!
Endlich in der U-Bahn sitzend war mir klar: Wir haben die falsche U-Bahn gewählt. Inklusive falscher U-Bahn-Haltestelle. Und waren somit einem unschönen Umweg ausgesetzt. Mussten also von Linie 10 dann auf Linie 5 umsteigen, und fuhren allgemein deutlich weiter. Wäre nicht so schlimm gewesen, wenn wir nicht vor lauter Getratsche vergessen hätten, an der richtigen Haltestelle auszusteigen und umzusteigen. Also verpasst, drei Stationen später erst gemerkt, ausgestiegen, zurückgefahren und umgestiegen. Bis wir aber erstmal den Weg zum Umsteigen gefunden hatten... Nun ja. Irgendwann kamen wir dann an der richtigen Haltestelle an. Und fanden uns irgendwie nicht zurecht. Kurz umgefragt, den Weg gewiesen bekommen kamen wir endlich beim Lamatempel (雍和宫) an! Wäre dann ja auch zu viel verlangt gewesen, wenn der Tempel dann auch noch offen gehabt hätte! Nun ja. Derlei Rückschläge gewohnt, suchten wir den Konfuzius-Tempel. Fündig geworden, sogar eine halbwegs positive Nachricht: Wir hatten noch eine halbe Stunde Zeit bis er zumachte. Und waren die letzten die überhaupt noch Karten kaufen durften. Wir Glücklichen, der Höllentrip schien nicht umsonst gewesen zu sein. Eine halbe Stunde für einen wirklich wichtigen Tempel, inklusive der kaiserlichen Akademie (国子监). Also Schnellverfahren, Fotoapparat gezückt, festgestellt, dass der eigene keinen Saft mehr hat, daher auf Resis zurückgegriffen. Daher einmal mehr der Dank! Der Vorteil lag aber auch klar auf der Hand: Es war quasi niemand mehr dort drin zu finden! Bis auf einige deutsche Reisegrüppchen aus je 3-5 Leuten war dort niemand mehr. Wunderbar still, menschenleer, idyllisch. Dazu noch aus der Ferne Zitterspiel, inmitten dieser tollen Anlage: traumhaft.
孔子曰:生而知之者,上也﹔學而知之者,次也﹔困而學之,又其次也﹔困而不學,民斯為下矣 (oder so ähnlich... *schmunzel* - Das ist übrigens Konfuzius!)
Auch hier fand man einen wirklich sehr gut renovierten Tempel vor. Um mal ein wenig die Unterschiede zu den vorherigen aufzuzeigen, weil langsam sieht für Euch sicher alles gleich aus: Die sonst quietschbunten Balken wurden hier nicht nachgemalt, sondern verwittert gelassen. Nur die - zugegebenermaßen vielzähligen - roten Teile wurden nachlackiert. Außerdem fanden sich hier wirklich außergewöhnliche Bäume, wunderschön gewachsen, interessant und so bislang noch nicht gesehen.
Der Warzenbaum... vom Durchmesser her bestimmt 1 1/2 Meter dick, war die Rinde dieses Baumes entweder natürlich oder durch Menschenhand beeinflusst so interessant gewachsen...
...dass sie im Vergleich zu anderen Bäumen nebenbei sehr ungewöhnlich wirkte. Hier im Bild sieht man gut, wie der Garten mit Kontrasten in der sonstigen Symmetrie gestaltet wurde. Aber neben den glatten, gebogenen, zusammengewachsenen und vielerlei anderen Bäumen stach dieser hier eben einfach am meisten heraus:
Sonst fand sich natürlich wieder die üblich bekannte Architektur, die sich über das ganze Gelände hinweg zog. Auch dann im anderen Bereich, dort bei der kaiserlichen Akademie, fand man ähnliches vor, bis auf folgenden Bogen mit seinen lackierten Kacheln:
Auf den Stelen der Anlage (an die 200) fanden sich die Namen der rund 50.000 Prüfungskandidaten die bei den Beamtenprüfungen besonders gut abgeschnitten hatten. Auf anderen Stelen (an die 190) fanden sich Texte des Konfuzius und seiner begabtesten Schüler.
Eine schöne Gegend ausserhalb des Tempels lud auch zum Spazieren ein. Gespannt machten wir uns aber erst auf die Suche nach dem Teehaus. Fündig wurden wir tatsächlich direkt gegenüber des Eingangs zum Konfuzius-Tempel, waren aber zunächst erstaunt, dass kein Licht zu sehen war, aber dennoch das Schild an der Tür verriet, man habe offen. Hatten wir abermals Pech und waren zu spät oder derlei gleichem? Nein! Der Strom war nur ausgefallen und das glücklicherweise! Denn so bekamen wir einen der tollsten Momente hier in China bislang geschenkt, Teezeremonie bei Kerzenschein, in absoluter Stille in einem wunderschön eingerichtetem Teehaus mit bezaubernd freundlicher Bedienung.
Irgendwann ging dann der Strom wieder an und enthüllte den Charme des Teehauses, der auch unter normalen Bedingungen gegeben war: Wunderschöne Einrichtung, leicht verspielt, in Beige, Crème und Braun. Tolle Ming-Stühle (ich brauche!!! so einen in Deutschland!) und wirklich wenige Gäste. Ahja, und keine Musik. Einfach nur gemütlich, draußen dunkel und vor einem köstlichster Tee! Aus eigenem Anbau übrigens, wie wir am Nachbartisch mitlauschten. Wir bestellten zwei Sorten, einmal Schwarztee (in China eigentlich wörtlicher roter Tee: 红查vollkommen fermentiert) und einmal Oolong-Tee (teilweise fermentierter Tee: 乌龙茶). Die Zeremonie an sich war faszinierend mit anzusehen, gerade wenn man es das erste Mal mitmacht. Ein wunderbarer Duft, ein großartiger Geschmack, ein wirklich atemberaubendes Erlebnis (was auch ein wenig seinen Preis hatte, aber das war es allemal wert!)
Ahja: Männer und Frauen hatten die Tassen anders zu halten! Wer den Unterschied auf den Bildern sieht und in den Kommentaren beschreiben kann kriegt 'nen Souvenir mitgebracht!
Eine tolle tolle Sitzecke dort hinten, das nächste Mal will ich dort sitzen, mit einem guten Buch, wenn es draußen klirrend kalt ist und der Tee dampft.
Es war wirklich ein fantastischer Ausflug und alle Wirrungen des Hinweges wert! Aber umso erschöpfter fiel man dann abends natürlich ins Bett. Teresa und ich haben jetzt beschlossen, derlei öfters zu unternehmen, eigentlich regelmäßig, uns für jede Woche ein Ziel vorzunehmen und das dann auch komme was wolle anzusehen. Sonst kriegen wir Beijing niemals in dem Jahr durch! Also, die Zukunft des Blogs hier sollte durch baldig neuen Stoff weiterhin gesichert sein. Wie immer freue ich mich über Kommentare, die gestellten Fragen beantworte ich auch alsbald, heute schaff ich das aber nicht mehr.

1 Kommentar:
Wirkt als hat sich einiges verändert
T.
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