Hallo allerseits! Zeit für ein kleines 'Update':
Das erste Semester ist vorbei, es ging schneller als gedacht, kaum war man im Einstufungstest gewesen scheint es auch schon wieder vorbei zu sein. Wirklich erstaunlich, wie fix die Wochen hier an einem vorbei ziehen können wenn man nicht aufpasst. Aber mein Blog hier erinnert mich immer wieder daran, wie viel ich eigentlich schon in China erlebt habe in der kurzen Zeit. Zumal es ja noch viel mehr zu schreiben und berichten gäbe, aber dann käme ich ja zu sonst nichts mehr.
Kurzum: Die Semesterferien haben begonnen! *jubel* Typisch Chinesisch mag man meinen, gab es zum Ende des Semesters eine prächtige Veranstaltung, samt Verleihung von kleinen schicken Urkunden für die Studenten, die sich aus dem Groß der Masse halbwegs hervorgehoben haben. Und tada: Ich bin als 好班长 (Superguter, toller, und unvergleichlicher Klassensprecher) ausgezeichnet worden. Wenn das mal nix ist? Na ja, ist eigentlich auch wirklich nix, denn diese Urkundenmäppchen wachsen in China auf den Bäumen, und so gab es -'ne Menge Lob zu verteilen, wenn man bedenkt wie viele Klassen es gab. Hat somit auch ein wenig gedauert, und der schönere Teil war wirklich zuvor gelegen, ein paar Schnappschüsse des vergangenen Semesters von sich und seinen Leuten auf der großen Leinwand zu sehen, mal hier und da ein Video, von uns im Unterricht aufgenommen, das hatte schon auch was.
Auf jeden Fall habe ich da jetzt so eine Urkunde und bin freilich mächtig stolz und so! Nie wieder Klassensprecher! Ich wollte eine goldene Anstecknadel am Ende des Semesters, und was war's? Nix! Aber hier ein paar kleine Bilder von der Veranstaltung. Ich bin dezent in violett inmitten der Leute dann und wann zu sehen, falls man mich mit meiner langen zotteligen Haarmähne nicht mehr erkennen sollte:
Ein weiterer glücklicher Umstand war, dass ich tatsächlich jetzt gestern (Montag) mein Zimmer wechseln konnte! Jetzt zu den Semesterferien zieht es viele Studenten wieder in die Heimat, einige bleiben nur ein halbes Jahr, andere sind so schlau und nehmen sich ne eigene Wohnung. Letzterer Fall kam mir zu Gute, eine freundliche kleine Französin und ein freundlicher kleiner Franzose verließen das Wohnheim und fanden eine unfassbar tolle, komplett nigelnagelneue Wohnung direkt neben dem Campus für das gleiche Geld wie das Wohnheim (ich zahl hier im Wohnheim weniger auf Grund des Stipendiums, daher lohnt es sich nicht auszuziehen). Eines der beiden Zimmer hab ich mir folglich geschnappt, und es funktionierte überraschend problemlos (was schon was heißt hier, die Österreicherin würde aus Erfahrung sprechen...). Und voilà: Ich bin dem dunklen, kalten Loch aus dem fünften Stock mit traumhafter Sicht auf einen Ziegelwand entflohen und habe mich im vierzehnten Stockwerk des Wohnheims neu eingenistet. Ich sage nur: Es liegen WELTEN dazwischen! Ich friere nicht mehr, kann hier in kurzen Hosen und T-Shirt im Zimmer rumhocken, dabei das Fenster aufhaben und mich dennoch pudelwohl fühlen. Keine nervige Waschmaschine mehr im Zimmer direkt gegenüber, und man will es kaum glauben, aber ich habe jetzt echtes Tageslicht! So von der Sonne! Direkt in mein Zimmer! Das lässt man sich gerne auf die Plauze scheinen, ein Traum... Ganz zu schweigen von der Aussicht, die ich hier genießen kann. Und weil ich mich so freue habe ich heute endlich mal einige Fotos von meinem neuen, schick hergerichteten Zimmer gemacht, um es mit der geneigten Leserschaft zu teilen. Augen auf, hier kommen die Fotos, viel Freude damit (und ja, nur zu, ruhig neidisch sein bei meiner Aussicht!):





















In meinem alten Zimmer war das Mobiliar schon deutlich abgenutzter, auch der Boden war mehr in Mitleidenschaft gezogen gewesen. Vom Grundriss und der Einrichtung her war es aber exakt gleich.
Hab mir zur Verzierung ein paar Karten und Tuschmalereien/Kalligraphien und so an die Wand gehängt. Theoretisch verboten, ist das hier im Wohnheim aber eh jedem wurscht.
Der Hocker unten im Bild gehört zu Sperrholz verarbeitet, die Geißel meines armen geschundenen Rückens! Die China-Karte da ist übrigens auch neu. So hab ich das Land immer vor meiner Nase.
Hab es sogar geschafft, meine im alten Zimmer noch neu organisierte Matratze mit umziehen zu lassen. Ein Segen! Der größte Vorteil: Sie ist ein klein wenig größer als das Bettgestell. 5 cm mehr Platz sind 5 cm mehr Platz! Und ja, das da unten ist meine kleine Privatbibliothek. Keine Ahnung warum ich so unfassbar viele Bücher mit nach China genommen habe, ich komme eh nie dazu alle zu lesen. Kilogrammweise werden die sich in meinem Koffer stapeln. Aber eh keine Ahnung, wie ich alles wieder nach Deutschland bringen soll wenn's soweit ist.
Mein Bad, klein aber fein. Nur ein Nachteil im neuen Zimmer: Das Licht drinnen ist so schwach und es riecht leider immer mal wieder nach abgestandenem Wasser. Beim alten Zimmer habe ich das durch exzessives Chlor-in-den-Abguss-schütten beheben können. Ja, ich weiß, nicht sehr grün, aber in einem Land von 1,3 Milliarden Menschen fällt das auch kaum mehr ins Gewicht. Ja, ich weiß, wenn jeder so denken würde. Ja, ich weiß, dann würde die Umwelt noch schlimmer gefährdet sein. Ja, ich weiß, ich trage Mitschuld. Ja, ich weiß, mein ökologischer Fußabdruck wird allein durch mein Auslandsjahr hier viel größer. Ach, man kann nicht immer alles richtig machen!
Auch hier wichtig zu erwähnen: Eine Heizung die tatsächlich heizt! Im alten Zimmer war's jeden Morgen eine Qual im Bad. Nicht, dass die Heizung da nicht gegangen wäre. Aber keine Ahnung wo die Wärme dann immer hin ist.
Mein kleiner Kühlschrank! Und ein Glücksknoten. Heute gekauft. Soll Glück bringen. Denk ich. Hm. War nicht teuer. Und ist kitschig chinesisch. Herrlich, gerade rechtzeitig zum baldigen Neujahr. Wurde übrigens heute früh von zwei Explosionen geweckt. So langsam fangen sie hier an rumzuböllern. Oder eher rumzubomben. Mir wurde gesagt, das wird wie im Krieg. Die haben hier Kracher, die ganze Bäume entwurzeln können. Zeug das selbst in Polen verboten wäre. Ich hoffe ich überlebe Chinesisch Neujahr ohne Verbrennungen dritten Grades!
So, und ab hier: Meine neue Aussicht! Keine Steinmauer in drei Meter Entfernung mehr! Nein, über den Dächern der Stadt. Zumindest eines Teiles. Die Aufnahmen sind von heute, es wirkt nur recht trüb, gegen Nachmittag wurde das Wetter wieder extremst sonnig und klar. Über den Abend hinweg hab ich noch ein paar mehr Fotos geschossen, und gerade dann jetzt, in der Dunkelheit, da ist das schon ein Knaller, aber seht selbst:
Wem es noch nicht aufgefallen ist: Der Turm, also die Kugel, wechselt ihre Farbe. Ist ein riesiger rundherum laufender Bildschirm. Da wird auch dann und wann Werbung abgespielt. Nur mein Zoom reichte leider nicht näher heran...
Hinter dem Ost-Campus, der wohl dreckigste, aber auch chinesischste Ort in Beijing. Ein Duft, traumhaft, aber dennoch: großartige kleine Lokale, Unmengen an Krusch und Krams, Fleisch und Gemüsen, Obst und Allerlei.

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