In Beijing steppt der Ochs! Frohes Chinesisches Neujahr wünsche ich Euch allen! Die besten Grüße aus der Stadt, die sich momentan so anfühlt wie das Epizentrum einer Kriegsoffensive. Dermaßen laut habe ich noch nirgendwo Raketen und Böller explodieren hören. Es ist schon fast skurril, wie man hier alle paar Minuten zusammen zuckt, weil einen wieder ein regelrechter Granatenschlag aus den Gedanken reisst.
Die Chinesen wissen ihren Neujahrsbeginn, das Frühlingsfest, gebührend zu feiern. In der Nacht von Sonntag auf Montag fand der bisherige Höhepunkt statt, der Jahreswechsel. Ich selbst habe anfangs noch ein wenig im meinem Zimmer gesessen, so um 20 Uhr abends, und nebst dem Feuerwerk ausserhalb meines Fensters die offizielle Neujahrsgala des chinesischen Staatsfernsehen angeschaut. Schon seit Tagen vorher gingen dann und wann Böller und Raketen hoch, aber am Sonntag ging es dann von früh an schon richtig rund. Hier ein paar Bilder die ich von meinem Zimmer aus gemacht habe, wobei man auch eine Besonderheit erkennen kann: Chinesische Raketen fliegen vielleicht gerade einmal halb so hoch wie unsere in Europa! Sie explodieren viel früher, und so konnte ich von meinem vierzehnten Stock quasi auf das Feuerwerk "herabschauen".
Um halbzehn ging es dann weiter zum Trommelturmplatz der Stadt, wurde dieser uns doch als Hotspot empfohlen. Anfangs enttäuscht, weil niemand wirklich da war, machten wir es uns erst einmal in einer Bar direkt neben dran bequem. Und dann, noch vor Mitternacht, ging es richtig rund. Der komplette Platz war außen herum mit Menschen gefüllt, die Kistenweise Raketen und Böller dabei hatten. Zurückhaltung kannte hier niemand, und ich war froh Ohropax dabei zu haben. Nur um es klar zu stellen: Die verwenden hier Kracher die selbst in Polen verboten wären... Eine besonders fiese Sorte ist sogar dazu geeignet, Bäume zu entwurzeln. Und das ist nicht übertrieben! Chinesisches Feuerwerk ist zwar auch bunt, aber vor allem eins: LAUT! Irrwitzig laut! Schon die Tage vor Neujahr wurde man immer wieder hochgeschreckt und konnte seinen Ohren kaum trauen, wo dieser Mörserbeschuss wohl herkam. Sich damals vorzustellen, wie das an Neujahr wird, wenn wirklich jeder hier in Beijing diese Kracher loslässt war unmöglich. Stundenlang Bombeneinschläge...
Aber das ist auch das tolle am Neujahr hier gewesen: Noch heute, zwei Tage nach dem eigentlich Neujahrstag, knallt und kracht es rund um die Uhr. Es ist nicht wie in Deutschland wo alle auf 24 Uhr warten und dann für ne halbe Stunde ein wenig was an Raketen abfackeln. Hier ist absoluter Ausnahmezustand, der zwar in der Neujahrsnacht seinen Höhepunkt hat, aber danach noch durchaus kraftvoll weiter geht: Jeden Abend kann ich hier aus meinem Fenster schauen und Feuerwerk betrachten. Oder wenn man abends durch die Straßen geht, überall sieht man Sternspeier im XXL-Format, Raketenabschussrampen, bunte Lichter und irrwitzig laute Knallfrösche. Man sitzt im Restaurant im ersten Stock und direkt neben einem vor dem Fenster geht ne Rakete hoch. Das ist irre, und wird noch so fast 2 Wochen weiter gehen. Ich finds toll und extrem überraschend, wie sehr ich schon darauf konditioniert bin, bei dem Anblick von Feuerwerk das Gefühl zu haben, dass ich raus muss weil ja gleich Mitternacht und Neujahr ist. Und das hab ich hier jetzt jeden Tag. Chinesisches Neujahr, einfach toll!
Hier jetzt also einige Bilder vom Platz am Trommelturm, man beachte auch die am Boden liegenden Überreste der Knallerei. Noch in der Nacht waren wir nen langes Stück einige der Straßen entlang gelaufen, und sie waren komplett Rot vom Böllerpapier, man sah kein Stück Pflaster mehr:






















So sehen einige dieser Raketenabschussbatterien aus. Die sind ein gutes Stück größer als Bierkästen!
Und hier zum Schluss noch vier kurze Videos, die ein wenig den Eindruck vermitteln sollen, wie laut und wild es da zuging. Denn auf den Fotos hab ich ja immer nur kleine Ausschnitte des Himmels zeigen können, das kommt jetzt auf bewegten Bildern ein wenig besser rüber. Wobei es natürlich noch immer nicht an das Feeling in der Realität rankommt:
Hier ein paar kurze fröhlich euphorische Neujahrsgrüße von mir!
So, das war's! Wenn in den nächsten Tagen noch tolles Feuerwerk zu fotografieren ist, werde ich das natürlich festhalten und hier veröffentlichen. Jetzt werden wir wohl morgen auf einen der Neujahrsmärkte gehen, den so genannten Tempelmärkten, auf denen die Chinesen mit Familie und Freunden den Start ins neue Jahr begehen, mit Neujahrskitsch, Handwerkswaren, Futterspezialitäten, Musikgruppen und etwas auf das ich ganz besonders gespannt bin: Drachentänzen.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen